Jeju-Forum in Südkorea

Vom 18. bis zum 24. Mai war ich auf Einladung der Friedrich Naumann Stiftung Südkorea. Zunächst stand in der Hauptstadt Seoul eine Diskussion mit Studenten auf der Agenda. Ab dem 20. Mai war ich beim Jeju Forum for Peace and Prosperity. Hier veranstaltete die Stiftung im Rahmen des Forums eine Diskussion zu der Frage, warum sich Umweltschutz und Marktwirtschaft lieben sollten.

Dienstag, 19. Mai 2015
Von Düsseldorf über Amsterdam nach Seoul, Ankunft 14.40 Uhr Ortszeit. Nach etwas mehr als 13 Stunden Reisezeit bin ich in Südkorea angekommen. Nach China in 2012 und der Mongolei 2014 bin ich das dritte Mal in Asien - immer beruflich. Mal sehen, ob/wann ich es mal privat zum Urlaub nach Asien schaffe...

Nach dem Check-in im Hotel blieb nur wenig Zeit vor dem ersten Termin. Die Young Alliance for the Future of Korea (YAFK), eine Studentenorganisation, hatte zu einer unterhaltsamen Diskussion eingeladen. Diskutiert haben wir über unter anderem über liberale Grundsätze und Unterschiede bei den Bildungssystemen in Südkorea und Deutschland.

Bedrückt hat mich, dass in Südkorea über 50% der jungen Akademiker arbeitslos sind. Darüber hinaus arbeiten viele in Berufen, für die sie überqualifiziert sind. Da fast 80% der Abiturienten die Universität besuchen, kennt jeder junge Mensch diesbezüglich "Licht und Schatten" in seinem direkten Umfeld. Hinzu kommt viel Erfolgsdruck aus dem familiären Umfeld. In Südkorea wird darum von den "three give-ups" gesprochen. Aufgegeben werden zwischen 20 und 30 Dating, Hochzeit und Kinder. Vor diesem Hintergrund war es eine positive Überraschung für mich, dass die gut 25 Teilnehmer bei der Diskussion am heutigen Abend sehr optimistisch in ihre Zukunft schauen.

Das Bild von Deutschland war durchweg positiv. Manche Studenten waren schon in Deutschland, einige haben sich bereits für ein Auslandssemester beworben. Eine tolle Möglichkeit zum direkten Austausch. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie beliebt Deutschland gerade bei jungen Menschen weltweit ist, während wir uns viel zu oft selber schlecht reden. Ein bisschen mehr Selbstvertrauen - in einem gesunden Maß - würde uns nicht schaden.

Am morgigen Mittwoch fliegen wir zur Konferenz nach Jeju. Ich hoffe, dass mir die siebenstündige Zeitverschiebung nicht zu sehr in den Knochen liegen wird.

Mittwoch, 20. Mai 2015:
Der zweite Tag in Korea startete relativ früh - insbesondere mit einem langen Flug und Zeitverschiebung in den Knochen. Mit Vertretern der Naumann-Stiftung sind wir am Vormittag nach Jeju geflogen. Die Insel im Süden von Korea ist ein beliebtes Ferienziel, zugleich aber auch seit zehn Jahren Ausrichtungsort für das "Jeju Forum for Peace & Prosperity".

Gleich nach dem Check-in im Hotel standen erste Workshops an. Im Workshop "Asian Cooperation for Climate Change" wurde diskutiert, wie das Verhältnis zwischen Süd- und Nordkorea durch die Zusammenarbeit bei kleineren Umwelt- und Klimaschutzprojekten gestärkt werden könnte. Konkret genannt wurden die Wasserversorgung und Aufforstungsprogramme für Nordkorea. Den Ansatz fand ich sehr interessant, weil so Probleme gelöst werden könnten, die die Menschen auf beiden Seiten betreffen. Ich frage mich allerdings inwiefern Südkorea ein Interesse daran hat, das Regime im Norden durch entsprechende Maßnahmen zu stärken. Aufgezeigt wurden außerdem einzelne Umwelt- und Klimaschutzprojekte. Manche Ideen und Anregungen werde ich vielleicht bei meiner Diskussion am morgigen Donnerstag aufgreifen können.

Am späten Nachmittag lautete das Thema "Overcoming Geopolitical Gap in Northeast Asia: Toward a New Politics of Trust and Harmony". Im Mittelpunkt dieses Workshops stand die Diskussion um ein Gleichgewicht in Asien, insbesondere vor dem Hintergrund der starken Präsenz der USA und dem wachsenden Einfluss von China. Ich habe viele neue Eindrücke gewonnen, sicher auch über nationale "Befindlichkeiten", die natürlich eine Rolle spielen. Das Grundproblem: Neue Spieler kommen zum Tisch, die zu verteilende Masse aber wird nicht größer. Hier gab es viele Verknüpfungen zu meinen Delegationsreisen nach China im Jahr 2012 und in die Mongolei im Jahr 2014. Es sind gerade solche Eindrücke, die nur vor Ort gesammelt werden können.

Der Tag schloss mit dem offiziellen Welcome Dinner und einem Besuch der Tagungsraums, an dem morgen der Workshop der Naumann-Stiftung stattfindet. Dort diskutiere ich mit anderen Teilnehmern die Frage, warum sich Marktwirtschaft und Umweltschutz lieben sollten.

Donnerstag, 21. Mai 2015
Der zweite Tag der Konferenz startete mit einer "Special Session". Bundeskanzler a.D. Gerhard Schröder sprach morgens mit Kwon Youngse, dem ehemaligen Botschafter der Republik Korea in China, über das Reformpaket Agenda 2010 als Reaktion auf Nachwirkungen der Wiedervereinigung. An der Wiedervereinigung und an den Reformen besteht in Korea wegen der Teilung in Nord und Süd natürlich ein großes Interesse. Trotzdem scheint es insbesondere in Südkorea auch viele Menschen zu geben, die eine Wiedervereinigung nicht aktiv verfolgen.

Im Anschluss an das Gespräch mit Gerhard Schröder folgte die offizielle Eröffnungszeremonie. Hier sprachen unter anderem die ehemaligen Premierminister von Japan, Australien und Kanada, Fukuda Yasuo, John Howard und Joe Clark.

Im Anschluss daran habe ich mich noch einmal auf den Workshop der Naumann-Stiftung vorbereitet, der am Nachmittag stattfand. Thema: "Free Market and Environmentalism: Why They Should Love Each Other". Auf dem Podium habe ich mit Oyun Sanjaasuren (ehem. Umweltministerin der Mongolei und Präsidentin der UN Environment Assembly), Yun Sangho (Research Fellow, Korea Economic Research Institute) und Sunil Rasaily (Founding Partner, QED Group) über diese Frage diskutiert. Zusammengefasst habe ich argumentiert, dass die Marktwirtschaft natürlich einen gewissen Rahmen braucht, zum Beispiel in den Bereichen Verbraucherschutz, Kartellrecht und natürlich Umweltschutz. Die politischen Ziele lassen sich aber am effizientesten und mit der höchsten Akzeptanz erreichen, wenn marktwirtschaftliche Mechanismen genutzt werden. Mein Fazit: Umweltschutz und Marktwirtschaft sollten sich lieben, wenn auch vielleicht nicht bedingungslos.

Zum Abschluss des Tages habe ich an einem Workshop zur zukünftigen Zusammenarbeit in Ost- und Südostasien teilgenommen. Hier wurde - mit Blick auf die Europäische Union - diskutiert, wie und in welchen Bereichen die Länder Asiens enger zusammenarbeiten können. Bei aller Kritik an der Europäischen Union wurde mir hier deutlich, wie wertvoll die enge Zusammenarbeit über deren Institutionen in Europa ist. Andere Regionen dieser Welt wären froh, wenn sie so eng und vertrauensvoll mit ihren Nachbarn zusammenarbeiten könnten.

Freitag, 22. Mai 2015
Der letzte Konferenztag ist mit einem etwas ruhigeren Programm ausgelaufen. Unter anderem habe ich mich bei einem Panel über unterschiedliche internationale Konzepte zur besseren Abstimmung unterschiedlicher Verwaltungs- und Regierungsebenen informiert. Es gab durchaus interessante Ansätze in Richtung einer starken kommunalen Selbstverwaltung, aber natürlich auch Beispiele für starken Zentralismus.

Das Highlight am letzten Tag war für mich der "Ambassadors Roundtable". Bei dieser Veranstaltung saßen unter anderem die Botschafter für Südkorea aus Japan, den USA und aus Deutschland auf dem Podium. Das hochkarätig besetzte Podium diskutierte insbesondere die Rolle des wachsenden China sowie die sich dadurch verändernde Machtbalance in Asien und auf der ganzen Welt. Mit welcher Rolle und in welchen Institutionen kann und soll China in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen? Wie kann die Zusammenarbeit der Länder in Asien gestärkt werden, um zukünftige Konflikte zu vermeiden? Diese zwei Fragen seien nur beispielhaft für viele andere Fragen aus der Diskussion genannt.

Diese und ähnliche Fragen sind auch auf meinen Delegationsreisen nach China im Jahr 2012 und in die Mongolei im Jahr 2014 aufgetaucht. Ganz Asien strahlt - nicht nur in dieser Hinsicht - einfach eine unglaubliche Dynamik aus, die die beteiligten Akteure steuern wollen, sollten und am Ende auch müssen. Bei aller berechtigter Kritik an der EU wurde auch in diesem Workshop die Zusammenarbeit über die Institutionen der EU sehr gelobt, fast schon leicht bewundert.

Die Konferenz schloss offiziell mit einem Abendessen - vielen Dank für diese tollen Eindrücke und Erfahrungen!

Samstag, 23. Mai 2015
In den letzten Tagen habe ich von Seoul und Jeju vor allem Hotels und Tagungsräume gesehen. Am Samstagvormittag blieb ein wenig Zeit, um den Ort rund um das Hotel zumindest ein bisschen zu erkunden. Unter anderem gibt es in direkter Nachbarschaft ein kleines Freilichtmuseum, dass das frühere Leben auf der Insel anschaulich darstellt. Auch blieb Zeit für ein typisch koreanisches Essen. Auf der Konferenz gab es - sehr zu meinem Bedauern - nur "westliches" Allerweltsessen. Schade, ein bisschen mehr Lokalpatriotismus auf dem Teller hätte ich gut gefunden!

Was ich von Südkorea selbst gesehen habe hat mir sehr gut gefallen. Vielleicht habe ich noch einmal die Chance, mit etwas mehr Zeit zurückzukehren. Die Konferenz war sehr vielseitig und lehrreich. In vielen Workshops konnte ich Ideen sammeln und Diskussionen verfolgen, die mittelbar mit meiner politischen Arbeit zu tun haben und diese damit unterstützen werden.

Besonders viel Freude hatte ich bei den beiden Veranstaltungen, an denen ich selber mitwirken durfte. Die Diskussion mit Studenten in Seoul hat sowohl Parallelen als auch Unterschiede zwischen jungen Menschen in Südkorea und Deutschland ans Licht gebracht. Am ehesten wird mir der Optimismus im Gedächtnis bleiben, der trotz der hohen Jugendarbeitslosigkeit und des immensen Leistungsdrucks im südkoreanischen Bildungssystems vorhanden ist.

Die Diskussion zu Umweltschutz und Marktwirtschaft hat ein Mal mehr aufgezeigt, dass der Teufel im Detail steckt. Natürlich braucht es Grundregeln, inklusive Verboten und Geboten. Am effizientesten aber wird Umweltschutz meiner Überzeugung nach über marktwirtschaftliche Mechanismen zu erreichen sein. Um die richtige Balance zu finden wird politisch eine fortwährende Überprüfung der Regelungen notwendig sein. Gerade das hält diesen Bereich spannend.

Impressionen der Reise finden Sie hier im Facebook-Album.

Zurück