"Unverständnis, Enttäuschung und Frust"

Zur aktuellen Lage der FDP habe ich der Allgemeinen Zeitung (Samstagsausgabe) ein kurzes Interview gegeben. Anlass waren der Rücktritt von Christian Lindner und der Ausgang des Mitgliederentscheids. Die Fragen stellte Detlef Scherle.

 

Herr Höne, wie reagiert die Basis auf das Drama, das auf der Berliner Bühne gegeben wird?

Höne: Ich erlebe viel Unverständnis, Enttäuschung und auch Frust. Im Kreis Coesfeld ist die FDP seit der Kommunalwahl 2009 als einzige "kleine" Partei in allen elf Stadt- und Gemeinderäten und im Kreistag vertreten. Wir setzen uns vor Ort für gute Politik mit liberaler Handschrift ein. Diese Arbeit können wir, anders als die Politik in Berlin, auch direkt beeinflussen. Unsere Reaktion auf Berlin ist darum die Konzentration auf die Arbeit vor Ort.

Als Herr Westerwelle als Parteichef zurücktrat, haben Sie gesagt, dass es nun nicht mehr schlimmer kommen und nur noch aufwärts gehen könne. Haben Sie Ihren Optimismus immer noch?

Höne: Ich bin auch weiterhin fest davon überzeugt, dass eine liberale Partei in Deutschland auch in Zukunft gebraucht und gewählt wird. Während alle anderen Parteien im Zweifel darauf setzen, den Menschen Verantwortung zu nehmen, um sie dem Staat zu geben, möchten wir die Menschen Entscheidungen eigenverantwortlich treffen lassen und sie dabei wo nötig unterstützen. Wir vertrauen den Menschen, während andere lieber bevormunden. Eine solche Politik wird immer Anhänger finden. Würden wir uns weniger mit Personal beschäftigen, wären zudem die inhaltlichen Erfolge sichtbarer: ausgesetzte Wehrpflicht, Stopp von Internetsperren und -zensur, Stärkung und Entlastung von Familien und Familienbetrieben - das kann sich doch sehen lassen.

Sie gehören selbst der "Boygroup"-Generation an, deren Berliner Vertreter jetzt die Probleme der Partei nicht in denGriff bekommen. Kann Rösler noch Parteichef bleiben?

Höne: Ich selbst sehe mich nicht wirklich als Mitglied dieser Generation. Ich bin zu ganz anderen Zeiten in der FDP aktiv geworden und engagiere mich seit vielen Jahren auch anders als die angesprochene Generation. Nämlich gleichermaßen in der Kommunalpolitik und auch im Landesverband. Ich habe Philipp Rösler auf dem Bundesparteitag in Rostock gewählt und unterstütze ihn auch weiterhin - als Vorsitzenden und Mitglied eines Teams. Ich möchte, dass er mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Daniel Bahr, Rainer Brüderle und den anderen Teammitgliedern die Freien Demokraten auf die Bundestagswahl 2013 vorbereitet und diese mit uns bestreitet.

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